Boxsack

Sebi der Fightfucker

Es gibt diese ultranetten Typen, höflich, gutaussehend und irgendwie irritierend weich. Sebi war ein solches Prachtexemplar. Für seine komplizierte Lebensgefährtin (männliche Softies und weibliche Zicken sind eine häufige Kombination) kaufte er gerne hochwertige Spitzenwäsche. Die wählte er mit Ruhe und Bedacht aus und überlegte hin und her, was seiner Liebsten gut gefallen könnte. Das machte er mindestens dreimal pro Jahr und  mindestens dreimal pro Jahr lag er anscheinend komplett daneben und wurde mit vernichtenden Worten zum Umtausch kommandiert.

Als er Job und Freundin verlor (die Gründe wie die Reihenfolge habe ich vergessen) kam er erst immer seltener, wirkte fahrig und irgendwie beschämt, dann lange Zeit gar nicht mehr.

Beinahe hatte ich Sebi schon vergessen, da tauchte er als Sebastián wieder auf. Er wirkte energischer, aber irgendwie auch einen Hauch ekeliger als früher und versuchte eine etwas gestellte Fachsimpelei übers Hartficken. Hartficken? Seinen Jargon hatte er scheinbar seinem neuen Auftreten blitzangepasst.

Stolz hielt er mir seine geballten Fäuste unter die Nase. Achtmal abgescheuerte, verschorfte Fingerknöchel. Er habe auf seinem Dachboden einen Sandsack aufgehängt. Den verprügelte er regelmäßig, natürlich oben ohne und natürlich ohne Boxhandschuhe. Und wenn irgendwann die Haut aufriss, sei es für ihn irgendwie total spirituell. Er wickelte sich dann ein paar Fetzen Stoff um die Knöchel und machte weiter, bis Blut kam. Dann holte er sich mit den blutigen Flossen einen runter. Über so viel Fightclub-Romantik konnte ich nur staunen.

BesenSexuell habe sich für ihn überhaupt einiges verändert, bemerkte er und machte dabei bedeutungsschwangere Pausen. In der letzten Zeit hatte er woanders gekauft, denn was er nun bräuchte, das hätten wir ja gar nicht. Damit meinte er allerlei Sadisten-Zubehör.

Nun bräuchte er aber etwas, bei dem ich ihm vielleicht helfen könnte: Einen guten Dildo mit langem Griff. Oder besser gleich einen Dildo, den er auf einen Besenstiel stecken konnte. Ich fragte ihn, ob er dann nicht ein bisschen weit weg sei von seiner Freundin. Jaja, das ist ja der Sinn der Sache, es muss distanziert sein und brachial, sagte Sebastián.

Ich besorgte von einem befreundeten Dildo-Giesser einen hohlen Prachtschwengel aus bestem Silikon, mit dem Sebastián seine Perle mal richtig schön durchfegen konnte. Sonderwünsche wie diese sind zum Glück oft machbar, wenn man gut vernetzt ist. So war diese spezielle Anfertigung am Ende auch das Letzte, was ich für Sebastián tun konnte. Ob er zuhause immer noch erfolgreich durchkehrt und fleißig weiter den Sandsack verprügelt, weiß ich nicht. Manchmal wachsen die Kunden eben aus unserem Sortiment heraus. Für alle eine gute Lösung.

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